Nur ein Gerücht?
Man sprach schon lange davon, aber ich wollte es nicht glauben. Sollte es wirklich dort seinen Anfang nehmen. Hin- und hergerissen vom Zweifel am Wahrheitsgehalt dieses Gerüchtes machte ich mich auf den langen Weg über gut ausgebaute Straßen, über breite Flüsse, vorbei an Äckern, voll mit Früchten der Natur, und an Äckern, welche bereits von der einmaligen Flora eines, von Menschenhand unberührten Stücks Erde und Subventionsverschlingende Zurückhaltung der fruchtbaren Nutzung zeugte. Vorbei an Städten und Dörfern, die in Ihrer Pracht von einer fortschrittlichen Entwicklung und Jugendhaftigkeit strotzten, dass man geneigt war dem bereits medial verbreiteten Gerücht noch weniger Glauben zu schenken.
Irgendwann, es schien eine Ewigkeit zu dauern, näherte ich mich der bedeutungsvollen, düstern in die Zukunft weisenden Quelle des ungeheuerlichen Gerüchts. Ich zweifelte an meiner eigenen Zivilcourage, sollte ich mich wirklich diesem grausamen Geschehen aussetzen. Ja, wenn ich es wirklich wissen wollte, musste ich.
Der erste Ort des Verrufes kam immer näher, und es sollte viele davon geben. Ich verlangsamte das Tempo um auch wirklich alles aus nächster Nähe sehen zu können. Und dann sah ich sie, die ersten verlassenden Höfe und Häuser. Schiefe Giebel, heruntergefallene Ziegel, eingeschlagene Scheiben. Der Wind spielte mit den wenigen noch vorhandenen Fensterladen und dem trockenen Gräsern. Ungepflegte Vorgärten zeugten von einer längst vergangenen Pracht, die niemand imstande war zu halten, geschweige denn wieder herzustellen. Eine alte und zerbrechliche Frau ,gebeugt von der Last des Lebens, schlurfte durch den Ort. Dort unter dem Nussbaum saß auf einer Gartenbank ein noch älterer Mann. Keine Spur von jungen, hoffnungsvoll in die Zukunft blickenden Leben. Es war also Wirklichkeit, kein Gerücht…. die Vergreisung der Dörfer im Osten hatte begonnen.









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